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Berliner Zeitung 8. März 2003

Unternehmen im Porträt:
Top-Hotels für wenig Geld
Wie Jasmin Taylor, Chefin von GRATISTOURS.COM, Urlaubsziele preiswert vermarktet


 

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BERLIN, im März. "Top-Hotels - fast kostenlos" ist auf der Internetseite zu lesen. Drei-Sterne-Hotels in Ägypten ab acht Euro pro Tag oder Luxushotels auf Teneriffa für 27 Euro. Wer würde nicht auf ein solches Angebot aufmerksam werden? Doch gleich der nächste Gedanke ist Skepsis und Misstrauen: Wo ist der Haken bei der ganzen Sache? "Es gibt keinen Haken", sagt Jasmin Taylor. "Mich ärgerten schon immer die überteuerten Urlaubsländer, besonders zur Hochsaison. Und da dachte ich mir, dagegen muss ich etwas machen", erzählt die Chefin des vor knapp einem Jahr gegründeten Berliner Touristik-Unternehmens GRATISTOURS.COM.

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Empfehlung an Freunde

In einem unscheinbaren dunkelgrauen Altbau-Eckhaus in Berlin-Charlottenburg hat Jasmin Taylor im Mai 2002 ihr Büro eingerichtet. Zu einer Zeit in der zahlreiche Internet-Firmen Pleite gingen und Reisebüros wegen der Folgen des 11. Septembers dichtmachten, gründete sie ihre erste eigene Firma. Zuvor hatte sie alsd selbstständige Beraterin für Touristikunternehemen gearbeitet. Als Erste holte sich die gebürtige Iranerin ihre Cousine mit in die Firma. "Ich hatte ein paar Tausend Kunden in meinem Laptop und habe die Arbeit nicht mehr alleine geschafft." Auf der Festplatte ihres Notebooks befanden sich auch zahlreiche Adressen von Hotels in Ägypten, Dubai. "Viele Luxushotels sind nicht ausgebucht, Zimmer stehen leer. Ich habe diesen Hotelbesitzern darum eine neue Form der Werbung angeboten, von der nun zahlreiche Urlauber profitieren können", erzählt die 36-jährige Unternehmerin.

Gratistours kauft die restlichen Kontigente direkt und ohne Zwischenhändler ein. "Und diesen Preisvorteil von bis zu 60 Prozent können wir an die Reisenden weitergeben." Die Vertragshotels versprechen sich von den günstigen Angeboten einen Imagegewinn sowie Empfehlung ihrer Häuser an Freunde und Bekannte der Urlauber. Am Anfang waren zahlreiche Hoteliers skeptisch, doch inzwischen scheint das Konzept von Gratistours aufzugehen. "Wirhaben bis ins nächste Jahr schon tausende Buchungen vorliegen", sagt Jasmin Taylor.

Das ganze funktioniert so: Auf der Internetseite sind die Hotels übersichtlich geordnet, Fotos und eine ausführliche Beschreibung der Anlagen helfen, sich zu informieren. Buchungen werden jedoch auch per Fax oder Telefon angenommen. Die Reisunterlagen erhält der Kunde spätestens nach 24 Stunden. "E-Mail oder Fax gelten als Reisebestätigung für das Hotel. Das spart Portokosten", erklärt Taylor.

Die Übernachtung ist in allen Drei- bis Fünf-Sterne-Hotels gratis, nicht aber der Urlaub an sich. Einige kosten kommen schon noch auf die Urlauber zu. So muß in allen Hotels eine Verpflegungspauschale zwischen fünf und 38 Euro bezahlt werden, die in bar und vor Ort zu entrichten ist. Darüber hinaus fallen die Koste für den Flug an, den sich die Reisende entweder selbst suchen oder gleich mitbuchen können. "Auch hier schöpfen wir aud größeren Kontigenten, die wir preiswert an unsere Kunden abgeben können", betont Taylor. Außerdem verlangt Gratistours eine Servicepauschale von 49 Euro pro Person (für Kinder von drei bis zwölf Jahren die Hälfte, bis drei Jahre kostenfrei).

Doch gerade die günstigen Urlaubsangebote sind nicht frei von Risiken. "Bei Reisemängeln ist der Tourist oftmals schlechter gestellt, weil das Pauschalreiserecht hier nicht gilt", gibt die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin, Gabriele Francke, zu bedenken. "Bei Beschwerden muss sich der Reisende an den Vertragspartner, lso das jeweilige Hotel am Urlaubsort, wenden. Wenn er klagen will, muss er das in Ägypten oder Dubai nach dem dort geltenden Recht tun." Doch Beschwerden gab es durch Kunden von Gratistours ihres Wissens nach bisher nicht. Schließlich hätten die Hotels ein ureigenes Interesse daran, die Kunden zufrieden zu stellen.

"Jeder Gast bekommt haargenau den gleichen Service wie die anderen Pauschalurlauber", versichert Jasmin Taylor. "Gratistours-Reisende sind sogar besonders beliebt, weil die Verpflegung im Hotel im Gegensatz zu den anderen Pauschalreisenden bar in Euro bezahlt wird." Üblicherweise werden Hotel-Gutscheine der anderen Urlauber längere Zeit gesammelt, dann nach Deutschland zur Buchhaltung geschickt und erst nach Wochen oder Monaten bekommen die Hotels ihr Geld überwiesen.

Reisen in den Iran

An neuen Idee mangelt es der tempramentvollen, jungen Unternehmerin nicht, die seit ihrem Abitur in Deutschland lebt. "Spätestens Ende März sollen zwei neue Urlaubsländer dazukommen - Deutschland und dei Türkei", sagt Jasmin Taylor. " Ich könnte noch weitere Mitarbeiter gebrauchen." Bislang hat sie 15 Mitarbeiter. Und wenn besonders viel zu tun ist, setzt sie sich auch selbst ins Call-Center.

Ihr Wunsch ist es aber, bald auch Reisen in ihr Heimatland Iran zu vermitteln, wo noch immer ihre Mutter lebt. Kaum einer kennt die kulturell bedeutenden Städte Esfahan oder Shiraz. So gehören Teile von Esfahan zum Unesco-Weltkulturerbe. "Wenn erst die Krise im Nachbarland Irak vorbei ist oder klar wird, ob es Krieg gibt oder nicht, werde ich Reisen in diese prachtvollen Städte meines Heimatlandes anbieten."


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