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Frankfurter Allgemeine Zeitung, Jugend und Wirtschaft 6. Mai 2004

Auf die billige Tour verreisen

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Online Anbieter lockt mit besonderen Angeboten Das seit Ende Mai 2002 bestehende Unternehmen Gratistours.com bietet Reisen an und hat trotz allgemeiner Wirtschaftsflaute Erfolg. ... „Mit Gratistours schlagen wir neue Wege im Tourismus ein, indem wir versuchen, das Baustein-Kasten-Prinzip im Bereich Pauschalurlaub zu verwirklichen. Das bedeutet, dass jeder Urlauber die Möglichkeit hat, seine Reise individuell zu gestalten, indem er zum Beispiel erst ein paar Tage am Roten Meer verbringt, dann für zwei Tage nach Luxor reist und zum Abschluss noch einen Abstecher nach Kairo macht“, erklärt Geschäftsführerin Jasmin Taylor den Erfolg.

Eine Reise bei Gratistours sei bis zu 75 Prozent günstiger als bei einem herkömmlichen Reiseveranstalter, behauptet Taylor. Ein Vergleich von zwei Vier-Sterne-Hotels, mit siebentägigem Aufenthalt, gleicher Leistung und ohne Flug, auf Mallorca bestätigt dies auch annähernd. Während der Kunde bei einem zum Vergleich herangezogenen großen Reiseveranstalter knapp 500 Euro bezahlen muss, werden bei Gratistours nur 186 Euro fällig. Dies alles ist möglich, da die Übernachtung für den Kundenkostenlos ist und er nur eine Verpflegungspauschale (ab 5 Euro je Tag) am Urlaubsort zu entrichten hat. Außerdem zahlt der Kunde eine Servicepauschale von 49 Euro (ab vier Tagen Aufenthalt 24,50 Euro) an Gratistours, über welche sich das Unternehmen finanziert. „Allein dadurch, dass wir keine Provisionen zahlen müsse, da wir unsere direkt an der Quelle kaufen und zu 90 Prozent im Internet agieren, das heißt auch unsere Hotelvouchers per E-Mail versenden, rentiert sich das Geschäft schon allein über dieses Fixum“, erklärt Taylor. Ebenfalls zur Finanzierung des Unternehmens tragen die Provisionen für verkaufte Ausflüge vor Ort, Autovermietungen, Reiseversicherungen und auch bei Gratistours zu buchende Flüge bei.

Um sich als Newcomer in der Branche zu behaupten, entschied sich Taylor, den Firmensitz von Frankfurt nach Berlin zu verlegen. So kann sie zum einen in die günstigeren Mieten für Büroflächen nutzen und zum anderen dem Machtpol der Reiseveranstalter in Frankfurt entfliehen, der einem Branchenneuling sicherlich nicht gut tun würde, wie Taylor behauptet.

Robin Zimmermann, Pressesprecher der TUI AG, steht Gratistours indessen kritisch gegenüber. Mit solchen Billig-Offerten bis hin zum Nullpreis werde die gesamte Wertigkeit des Produktes Reise enorm nach unten gezogen, das schade der gesamten Tourismusbranche. Trotzdem versteht er Kunden, die ein paar hundert Euro sparen wollen. Jedoch dürften diese dann nicht allzu viel Wert auf Qualität legen, sagt Zimmermann.

Christian Boergen, der Leiter der Kommunikation beim Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV), sieht das Konzept von Gratistours in erster Linie nicht als Gefährdung für die Tourismusbranche. Aber er findet, dass beim Verbraucher falsche Erwartungen geweckt werden. „Allein schon die Firmierung als Gratistours, wo der Kunde vorab erst so eine Art Mitgliedschaft erwerben muss, bevor er eine Reise buchen kann, ist ein Problem. Dadurch werden Verbraucher in die Irre geführt. Außerdem beruht das Ganze auf einer gewissen Ausbeutung örtlicher Hoteliers, die in Ländern angesiedelt sind, wo der Tourismus grad schlecht läuft. In letzter Linie kommt noch hinzu, dass vieles von dem, was sozusagen am Grundpreis nachgelassen wird, an anderer Stelle wieder reinkommt.“ Da buche man zum Beispiel ein Hotel mit Übernachtung und Frühstück, um sich Mittag und Abendessen in der Umgebung kaufen zu können. Doch sei dies oft nicht möglich, weil es am Ort keine anderen gastronomischen Angebote gebe. Dann müsse der Gast sein Essen überteuert im Hotel bezahlen.

Doch auf die Missgunst anderer Reiseveranstalter achtet Taylor wenig. Sie folgt der Firmenphilosophie, sich eigene neue Vertriebswege zu erschließen. ... Die anfängliche Skepsis der Kunden gegenüber Gratistours hatte sich gelegt, und so kamen in den ersten

12 Monaten seit Juni 2002 rund 120 000 Buchungen zustande. Dadurch haben sich nicht nur die Einnahmen erhöht, sonder die Auswahl der Urlaubsziele ist ebenfalls größer geworden. Inzwischen sind mehr als 20 Ziele in zehn Ländern im Angebot, weitere sollen dazukommen.

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